Japan hat eine große Tradition in der Schmiedekunst. Es gibt nicht nur ein Messerzentrum wie z. B. Solingen in Deutschland, vielmehr sind die Herstellungsorte im ganzen Land verteilt. Die Betriebe unterscheiden sich in Größe und technologischer Ausstattung teilweise erheblich. Entsprechend unterschiedlich sind die Produkte, Ihre (oft äußerlich nicht sichtbare) Qualität und die ästhetische Ausstrahlung.
Die manufakturmäßige Produktion: Die handwerklichen Arbeitsschritte bleiben im Einzelnen erhalten, es wird immer noch von Hand geschmiedet. Der Unterschied ist das Zurücktreten des einzelnen Handwerkers in die manufakturielle Organisation. Solche Betriebe können zwischen 5 und 20 Mitarbeitern haben und muten viel eher wie ein großer Handwerksbetrieb an als wie eine Fabrik. Hier kann man nicht sagen: dieses Messer kommt von dem oder dem Schmied, es ist vielmehr eine kollektive Leistung und trotzdem bleibt es Handwerk, weil jeder Arbeitsschritt nach handwerklichen Methoden ausgeführt wird.
Industriell hergestellte Messer: Hier findet man bei der Fertigung die typisch industriellen Merkmale: Schmieden im Gesenk (das Schmiedestück wird in eine Schmiedeform eingelegt, wodurch lauter exakt gleiche Messerrohlinge entstehen), Härten und Anlassen im Durchlaufofen, teilweise automatischer Schliff. Diese Methode eignet sich nur für ausreichend große Serien.
Wenn Sie auf der Suche nach einem japanischen Messer sind, werden Ihnen zunächst die enormen Preisunterschiede auffallen, die für den Laien nicht ohne weiteres nachvollziehbar sind. Trotzdem gilt als Faustegel: Japanische Messer sind nicht teurer als europäische Messer. Im wesentlichen resultieren die Preise aus den oben beschriebenen Unterschieden.
Bild rechts: Rohling eines Gemüsemessers nach dem ersten Schmiededurchgang aus der Messermanufaktur Hirotomo. Ein solches handgeschmiedetes Messer hat seinen Preis, muß ihn haben, übrigens erstaunlich moderat, wie wir finden.Vergrößerung!
Darüberhinaus sind Schmuckformen, die keinen Einfluß auf die Schneidqualität haben, immer extra zu bezahlen, z. B. eine Klinge aus Damaszener Stahl. Solche Messer sind wunderschön und es ist eine Freude, damit zu arbeiten. Aber entgegen einem weitverbreiteten Irrtum haben Japanische Messer immer einen Kern aus Kohlenstoffstahl - die Damaszenerfaltung finden Sie nur in den äußeren Lagen der Klinge.
Wichtig für Sie ist, daß es keiner schafft, Ihnen ein Messer der niedrigen Kategorie zum Preis der höheren anzudrehen oder noch schlimmer, fragwürdige Ware, die nicht ernsthaft als Schneidwerkzeug zu betrachten ist, Ihnen als Qualitätsware zu verkaufen. Hüten Sie sich vor Angeboten, egal ob in Geschäften, auf Supermarktparkplätzen oder im Internet, die einen nachvollziehbaren Zusammenhang von Preis und Qualität nicht aufweisen. Einen 3-teiligen Satz "handgeschmiedeter Messer" gibt es nicht für 30 Euro. Das ist geschöntes, gestanztes Blech - sonst nichts.
Ein beliebter Marketingtrick ist es auch, die Messerschmiede in die Nähe berühmter Schwertschmiede zu stellen. Ein Messer soll damit geadelt werden, aber in Wirklichkeit wird nur der Preis geadelt. An ein Küchenmesser werden andere Anforderungen gestellt als an ein Schwert, und so sind sowohl Arbeitsmethoden als auch die beruflichen Werdegänge der Schmiede entsprechend unterschiedlich.
Kaufen Sie entsprechend Ihren Bedürfnissen. In jeder der drei Kategorien finden Sie höchste Qualität für den Preis. Wenn Sie nicht wissen, wie anzufangen: Nehmen Sie ein Allzweckmesser, mit dem dreilagigen Messer lernen Sie die Vorzüge der japanischen Messer am besten kennen. Dann später ein Sashimi Hocho (Fischmesser) und ein Nakiri Hocho bzw. Usuba Hocho (Gemüsemesser), oder umgekehrt, je nachdem was Ihre Speisevorlieben sind.