Dieter Schmid - Feine Werkzeuge

Anleitung zur Benutzung des Schärfsystems VERITAS

Schärfsystem Veritas Hinweis: Dieses Schärfsystem ist inzwischen durch das MK.II Schärfsystem ersetzt worden. Wir lassen diese Anleitung jedoch weiter online, da sie für die Besitzer weiterhin nützlich ist.

Niemand braucht sich zu verstecken, wenn er eine Schleifführung benutzt. Wenn auch bei vielen Holzwerkern der Anspruch im Raum steht, einen Stechbeitel freihändig schärfen zu können - was an sich löblich ist - ist es in der Realität häufig so, daß nach und nach die Fase rundgeschliffen wird. Es wird zunehmend schwer, das Eisen gut scharf zu bekommen. Hier schafft eine präzise Schärfführung Erleichterung. Zudem können sie den Schleifdruck damit erhöhen, um effektiv arbeiten zu können.

Mit einer falschen Vorstellung soll hier gleich aufgeräumt werden: Häufig begegnen mir Handwerker, die schärfen automatisch mit maschinell schleifen verbinden, während das Abziehen am Leder oder Blockstein vorgenommen wird. Schärfen kann man auch von Hand und das sehr effektiv, wenn die richtigen Steine zur Verfügung stehen. Selbst Scharten in Stemmeisen kann man von Hand herauschleifen. Das Wort "schärfen" sagt nichts darüber aus, ob es von Hand oder maschinell gemacht wird. Es bedeutet nichts anderes als Materialabtrag, um die Begrenzungslinien zweier Flächen in ein optimales Verhältnis zu bringen.

Bitte beachten Sie: Die Veritas-Schleifführung ist für ganz kurze Stemmeisen nicht geeignet. Bei einem 25°-Schleifwinkel sollte die Mindestlänge des Eisens 70 mm, bei einem 30°-Schleifwinkel 60 mm (ohne Angel) betragen. Die meisten japanischen Eisen haben neu schon nur eine Eisenlänge von ca. 55 - 65 mm, die sich mit der Zeit durch Schärfen reduziert, so daß von einer Anschaffung des Veritas-Systems für japanische Eisen abzuraten ist. Für Stemmeisen und Hobeleisen europäischen Typs ist es jedoch die vielseitigste Schleifführung.

Aber auch mit der Schleifführung geht es nicht ganz von alleine. Etwas Vorbereitung ist erforderlich. Die ersten Vorbereitungen für das Schärfen haben zunächst mit der Schärfführung gar nichts zu tun und gelten für alle Schärfarbeiten:

  • Betrachten sie Ihre Steine! Das wichtigste ist: der Stein muß eben sein. Mit einem abgenutzten und hohl gearbeiteten Stein erzielen sie niemals ein gutes Ergebnis - es sei denn Sie wollen Hohleisen schärfen. Nun müssen Sie einen hohlen Stein nicht wegwerfen, aber er muß zuerst abgerichtet werden. Dafür gibt es verschiedene Methoden, der Erfolg hängt nicht zuletzt von der Art des Steins ab. Je härter der Schärfstein, um so länger dauert es. Am einfachsten und schnellsten sind japanische Wassersteine zu richten, weil sie weich sind und das Gefüge locker ist. Dafür ist dieser Arbeitsgang dann häufiger erforderlich.
    1. Reiben sie zwei Steine gegeneinander - dies ist die älteste und am weitest verbreitete Methode, die letzte Planheit erreichen Sie damit aber nicht.
    2. Als weitere Möglichkeit bleibt die Benutzung von wasserfestem Schleifpapier, das man sich naß auf einer Glasplatte oder einer anderen planen Fläche festsaugen läßt. Bei stark gehöhlten Steinen nehmen Sie ruhig 80er oder 120er Korn, zum Verbessern der Oberfläche dann feineres. Auch hier können sie Siliziumkarbidpulver mit zugeben, die Arbeitsgeschwindigkeit verdoppelt sich damit.
    3. Puristen lehnen die letzte Möglichkeit ab und argumentieren dagegen, daß von den harten Partikeln des Schleifpapiers und des Siliziumkarbidpulvers Reste in der Oberfläche der weichen Steine verbleiben und beim Schärfen der Werkzeuge deren Flächen und damit auch die Schneide zerkratzen. Dieses Argument ist ernstzunehmen, man kann dem jedoch vorbeugen, indem der Stein beim Abrichten im letzten Arbeitsgang nur mit sehr feinem Schleifpapier (Korn 600) unter wenig Druck mit anschließendem gründlichem Abwaschen behandelt wird.
  • Wählen Sie die Steine für den zu verwendenden Zweck aus. Es nutzt Ihnen nicht viel, wenn ein superfeiner Stein für grobe Arbeiten verwendet wird. Als Richtwert kann gelten:
    1. Für grobe Arbeiten - Herausschleifen von Scharten oder wenn das Werkzeug sehr stumpf ist - empfiehlt sich ein Stein mit Körnung 200 bis 400.
    2. Für die normalen Schärfarbeiten ist ein Stein mit der Körnung 800 bis 1200 der richtige.
    3. und zum Abziehen des feinen Grates und zum Polieren der Flächen die Korngröße 3000 bis 8000. Wenn Sie Anfänger sind, verzichten Sie auf den 8000er Stein - nur erfahrene Anwender merken den Unterschied und können ihn auch herausarbeiten!
  • Als nächstes sehen Sie sich Ihre Stemmeisen oder Hobeleisen genau an. Schmutz sollte vor Beginn des Schärfens entfernt sein. Die Spiegelseite (Bottom or Face) - also die untere glatte Seite - des Stemmeisens muß plan sein. Eisen
  • Da dies auf den ersten Blick nicht zu sehen ist, benutzen Sie eine einfache Methode: auf einem feinen Stein - der plan sein muß - "schleifen" Sie die Spiegelseite. Sehr schnell sieht man, wo der Stein greift und wo nicht. Wenn nur Teile der Fläche vom Schärfstein berührt werden ist das Eisen nicht plan. Nun sollte es auf einem Schärfstein so lange abgerichtet werden, bis die gesamte Fläche zumindest im Bereich der Schneide bearbeitet ist.
  • Jetzt gilt es zu entscheiden, in welchem Winkel die Fase geschliffen sein soll. Als Faustregel kann gelten: je weicher das Holz, desto spitzer der Winkel, je härter und astiger das Holz, desto stumpfer der Winkel. Je spitzer der Winkel, desto empfindlicher - aber auch schärfer - die Schneide. Für den Alltagsgebrauch reichen folgende Werte: 25° bis 27° für Weichholz, 30° für Hartholz, 35° für schweren Einsatz. Im Zweifelsfalle wählen sie den Fasenwinkel eher etwas stumpfer, diese Regel gilt besonders für sehr schmale Eisen.
  • Nun kann die Arbeit an der Schleiflehre beginnen. Die Schleiflehre besteht aus zwei Teilen: der Schleifführung selbst und der Winkeleinstellvorrichtung. Zunächst kleben Sie an der Schleifführung die selbstklebende Gummiauflage auf die Auflagefläche für das Stemmeisen, damit dieses nicht wegrutscht. Achten Sie darauf, daß die Markierung an der seitlichen kleinen Rändelschraube nach oben zeigt.
  • Drehen sie die fünfeckige Scheibe mit den Gradbezeichnungen so, daß der gewünschte Winkel z. B. 25° auf die Richtfläche zeigt und drehen Sie die Rändelschraube fest.
  • Schleiflehre Schleiflehre Führen sie nun - wie auf der Abbildung gezeigt, das Eisen in die Schleiflehre ein (Fase nach unten, große Rändelschraube zum Befestigen in Richtung fünfeckige Scheibe) ohne es zunächst zu befestigen. Dann schieben sie das Eisen mit der Schleiflehre unter die Schräge der fünfeckigen Scheibe. Wenn die Spiegelseite des Eisens an dieser Schräge sauber anliegt, schieben sie die Schleifführung nach unten und drehen die große Rändelschraube fest.
  • So eingestellt führen Sie das Eisen in Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen über den ausreichend genäßten Stein. Mäßigen Druck geben sie dabei auf das Eisen ganz nahe am Stein - am besten mit beiden Zeigefingern. Nutzen Sie möglichst viel der zur Verfügung stehenden Fläche des Steins und arbeiten sie so lange, bis eine sauber geschliffene Fase erreicht ist. Mindestens jedoch sollte im Bereich der Schneide keine unbearbeitete Stelle mehr sein.
  • Zum Abziehen können Sie wenn Sie wollen, das Eisen eingespannt lassen und damit sowohl mit der Fasenseite als auch mit der Spiegelseite über den Abziehstein gehen.
  • Zweite Fase Eine Besonderheit des Schärfsystems von Veritas liegt darin, daß eine zweite Fase - in der Gradzahl genau definiert und wiederholbar - angebracht werden kann. Über Nutzen und Nicht-Nutzen streiten sich die Experten - aber das ist hier nicht das Thema. Eine zweite Fase bedeutet, daß im vordersten Bereich der Schneide der Fasenwinkel um ca. 1° bis 2° stumpfer ist, was bedeutet, daß nachfolgend weniger Schärfarbeit erforderlich ist.
  • Winkeleinstellung Die Einstellung dieses zweiten Winkels erfolgt, indem man die seitliche Rändelschraube der Schleifführung bei unverändert eingespanntem Eisen leicht herauszieht und um eine Viertelumdrehung dreht. Wie im Bild zu sehen ist, verändert sich ein 25°-Winkel bei einer Viertelumdrehung auf 26°, bei einer halben Umdrehung auf 27°. Der Pfeil zeigt die Markierung an der Rändelschraube.
  • Winkeleinstellung Ist der Winkel mit einer anderen Gradzahl vorgeschliffen, verändert sich der Winkel bei der gleichen Aktion um die in der unteren Tabelle gezeigten Werte.
  • So eingestellt fahren Sie wieder über den Schärfstein. Mehr als 1 mm brauchen sie nicht für diese Fase.
  • Nach der Arbeit reinigen Sie die Vorrichtung mit Wasser. Gelegentlich sollten die Lager geölt werden, um ein Festsetzen von Partikeln zwischen Nocke und Roller zu verhindern.
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