Dieter Schmid - Feine Werkzeuge

Herstellen von Schwalbenschwanzzinken mit dem Incra Fräsanschlag

Dieser Test stammt von unserem Kollegen Anthony. Er hat eine kleine, experimentelle Werkstatt in seinem Keller.

INCRA LS 17 Range Super Joinery Fence System METRIC
Mit diesem Test wollten wir überprüfen wie einfach es ist halbverdeckte Schwalbenschwanzverbindungen herzustellen.

Wir haben von all den Verbindungen, die im Master Reference Guide beschrieben sind, diese aus zwei Gründen ausgewählt: Zum einen weil halbverdeckte Schwalbenschwanzverbindungen ein gutes Beispiel für die vielen Verbindungen darstellen, die man mit dem LS Psoitioner herstellen kann. Zum anderen weil sie sehr verbreitet sind, z.B. bei Schubladenfronten.

Der Schlüssel zum Arbeiten mit dem LS Positioner ist die richtige Einstellung und die Auswahl der richtigen Stärke und Breite der Werkstücke. Danach lässt sich das System einfach und präzise bedienen.

Bevor Sie mit einem Projekt anfangen ist es wichtig zunächst die Stärke des verwendeten Materials festzulegen (auf Basis Ihrer Idee für Ihr Projekt – Schubladenfront 20 mm stark, oder lieber 18 mm?) und diese dann mit der Vorlage, von der Sie denken, dass sie gut zu Ihrem Projekt passt (weite Abstände zwischen den Schwalbenschwänzen, oder doch enge?) zu kombinieren. Dann müssen Sie über die Breite des Materials nachdenken. Das ist entscheidend, da nicht alle Materialbreiten mit allen Vorlagen funktionieren. Das rührt daher, dass Sie ein ordentliches Stück Holz an der Seite des Schwalbenbrettes (neben dem letzten Schwalbenschwanz) brauchen, damit die äußeren Zinken am Zinkenbrett nicht brechen. Eine gute Faustregel ist es mindestens die halbe Breite eines Schwalbenschwanzes an jeder Seite übrig zu lassen. Zum Beispiel passt ein 15 mm starkes und 100 mm breites Brett gut zu einer 14 mm-18 mm Vorlage, aber ein 20 mm starkes und 95 mm breites Brett passt überhaupt nicht zu einer 18 mm-24 mm Vorlage. Also sollten Sie sich bevor Sie anfangen die Detail-Zeichnungen für Ihr Projekt zu machen und bevor Sie das ganze teuere Holz kaufen, die Zeit nehmen die richtige Vorlage auszusuchen und sicher zu stellen, dass diese zu dem Holz passt, dass sie verwenden wollen.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 1 (1 von 9): Einleitung und Auswahl der Vorlage:

Die Vorlagen des LS Positioners haben Markierungen für zwei verschiedene Fräsungen: "A" und "B". Je nachdem wie breit das Werkstück ist werden die Schwalbenschwänze (das ist der erste Teil der Verbindung den man herstellt) mit den "A"- oder "B"-Markierungen hergestellt. Im Handbuch zu den Vorlagen steht, dass man für die Schwalbenschwänze die "A"-Markierungen nehmen soll. Für unser Teststück (100 mm breit, 15 mm stark) sollte man aber die "B"-Markierungen verwenden. Die Entscheidung welche Markierungen verwendet werden müssen hängt nur von der Breite des Werkstückes ab. Wir wählten die Vorlage MDOVH aus und die Zentrierung lag bei Markierung 8A. Wenn man das Werkstück zentriert auf die Vorlage legt dann überdeckt das Holz die Nut (oder nicht dunkel hinterlegte Fläche) des "B"-Schnittes mit jeweils einem halben Schwalbenschwanz Überstand pro Seite. Also ist es ein Brett für einen "B"-Schnitt bei den Schwalbenschwänzen. Ein 120 mm breites Brett würde bspw. zum Überlappen in den "A"-Bereich führen. Unser erster Versuch war also "B" für die Schwalbenschwänze.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 2 (2 von 9): Markierungen "A" oder "B":

Als nächstes muss die Frästiefe eingestellt werden. Spannen Sie dazu den Fräser in die Fräse. Schauen Sie jetzt nach, welche Tiefe bei der gewählten Vorlage angegeben ist. In unserem Fall waren das 11 mm. Stellen Sie ca. 11 mm Frästiefe ein und verriegeln Sie den Fräslift. Verschieben Sie den Anschlag jetzt so, dass er etwa auf der Mitte des Fräsers steht. Verschieben Sie jetzt eine der metrischen Skalen am LS Positioner so, dass Sie "0" ablesen. Für diese Vorlage mussten wir jetzt 2 Fräsungen machen (jeweils mit zwei Probebrettern). Eine bei 0 und die andere bei 20 mm. Die daraus entstehende teilweise Verbindung war zu eng. Um eine losere Verbindung zu erhalten muss man den Fräser absenken, für eine festere muss man Ihn höher stellen. Also senkte ich den Fräser etwa 0,5 mm ab und machte einen zweiten Versuch. Der passte perfekt.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 3 (3 von 9): Frästiefe:

Jetzt war es an der Zeit das Werkstück auf dem Anschlag zu zentrieren. Das ist leicht zu machen, aber ein sehr wichtiger Teil der Einstellungen, da alle weiteren Fräsungen auf dieser Einstellung basieren. Stellen Sie zunächst den Anschlag so ein, dass der Fräser etwa die Hälfte der Breite ihres Werkstückes vom Anschlag entfernt ist und fräsen Sie einmal durch das Brett. Drehen Sie das Brett jetzt um und fräsen Sie nochmals. Jetzt sollten Sie eine Nut in der Mitte des Brettes haben. Schieben Sie diese Nut jetzt über den Fräser und ziehen Sie den Anschlag so weit heran, dass er das Brett berührt. Überprüfen Sie, dass der Fräser in der Mitte der Nut ist und dass der Anschlag das Brett berührt. Schließen Sie in dieser Stellung die Verriegelung des Anschlags. Schieben Sie jetzt die Vorlage in einen der Kanäle des LS Positioners und platzieren Sie diese so, dass die vorgeschlagene mittlere Linie (in diesem Fall 8A) unter der Sichtlinie liegt. Die Vorlage passt recht stramm in den Kanal, so dass Sie sich beim Fräsen nicht bewegt. Jetzt wo alles eingestellt war, war es an der Zeit die Schwalbenschwänze zu fräsen.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 4 (4 von 9): Zentrieren der Schwalbenschwänze:

Als erstes muss man den Falz für die Innenseite der Schwalbenschwänze herstellen. Die Tiefe des Falzes ist bei jeder Vorlage angegeben. In unserem Fall waren es 6 mm. Im ersten Durchgang fräst man nur sehr flach. Dadurch entsteht eine saubere Kante ohne Ausrisse. Die restliche Tiefe habe ich dann in zwei Durchgängen gefräst.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 5 (5 von 9): Fräsen des Falz für die Schwalbenschwänze:

Jetzt zu den Schwalbenschwänzen selber. Als erstes muss man den ersten Satz an Einstellungen an der Vorlage identifizieren. Da wir ja die "B"-Markierungen für die Schwalbenschwänze benutzen wollen, müssen wir die "B"-Markierung finden, die am nächsten an der Kante des Brettes ist. (Bei dieser Vorlage sind die "B"-Markierungen blau, die "A"-Markierungen rot). Stellen Sie zunächst den Anschlag auf die Aussenkante des Fräsers ein. Suchen Sie jetzt auf der Vorlage nach den nächstgelegenen blauen Markierungen. In diesem Fall waren das 26, 27 und 28B. Das ist der Ausgangspunkt. Indem ich den Anschlag nach jeder Fräsung weiter nach rechts, weg vom Fräser, auf die nächste "B"-Markierung stellte habe ich die vier nötigen Ausfräsungen hergestellt (Da die Ausfräsungen bei dieser Vorlage breiter sind als der Fräser, sind jeweils mehrere Durchgänge nötig). Es zahlt sich aus vor der ersten "B"-Fräsung eine sehr flache Startfräsung zu machen um das Ausreißen des Holzes zu vermindern. Bei Verwendung der MDOVH-Vorlage ergeben sich nur drei schmale Schwalbenschwänze, so dass Sie eine Menge Material entfernen müssen.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 6 (6 von 9): Fräsen der Schwalbenschwänze:

Als letztes werden die Zinken hergestellt. Hierzu wird die Führung nicht benötigt. Die Tiefe dieser Fräsung wird mit dem Shop Stop (Endanschlag) eingestellt. Also stellen Sie den Anschlag wieder nah an den Fräser und schauen Sie auf die Vorlage. Die erste "A"-Fräsung ist die erste bei der der Fräser voll vom Holz umgeben ist, so dass ein Zinken entsteht. In diesem Fall war das 9A. Stellen Sie den Anschlag auf 9A ein und klemmen Sie ihn fest. Als nächstes müssen Sie die Frästiefe einstellen. Stellen Sie den Shop Stop so nahe an den Fräser wie es geht ohne dass er diesen berührt und klemmen Sie ihn in dieser Position fest. Das war’s. Ich habe jetzt die erste 3 Fräsungen an den Markierungen 9A, 8A und 7A gemacht und die Frästiefe mit den Schwalbenschwanz-Brettern getestet. Die Fräsungen waren nicht tief genug. Deshalb habe ich den Anschlag des Shop Stop mit Hilfe der Feineinstellung etwa einen Millimeter weiter von Fräser weggestellt. Dann musste ich nur die Zinken nach schneiden, das Brett umdrehen und die Zinken am anderen Ende fräsen. Das Ergebnis war eine perfekte Schwalbenschwanzverbindung.

Man sollte beachten, dass beim Fräsen der Zinken durch die Drehung des Fräsers das Werkstück aus Ihrer Hand gezogen wird. Halten Sie es gut fest und führen Sie es langsam zu um einen sauberen Schnitt zu erhalten.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 7 (7 von 9): Fräsen der Zinken:

Bevor ich meinen Tag in der Werkstatt beendete, wollte ich noch schnell versuchen in einem Rutsch eine Schubladenfront herzustellen. Die Tiefe des Fräsers war eingestellt, das Werkstück war schon zentriert, und den Falz für die Schwalbenschwänze hatte ich auch schon gefräst. Das Ergebnis dieses Versuchs kann man in dem folgenden Video sehen. Ich habe für Alles nur etwa 4 Minuten gebraucht.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 8 (8 von 9): Schwalbenschwanzverbindung in einem Rutsch:

In Summe macht das Arbeiten mit diesem System wirklich viel Spaß. Mit der richtigen Einstellung und dem passenden Holz bietet es eine Möglichkeit schnell und einfach perfekte Schwalbenschwanz- und Fingerzinkenverbindungen herzustellen. Anfangs mag es etwas kompliziert erscheinen, aber man braucht wirklich nicht lange um Schwalbenschanzverbindungen herzustellen wie ein Profi.
Fräsen von Schwalbenschwanzverbindungen Teil 9 (9 von 9): Fazit:

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