Dieter Schmid - Feine Werkzeuge

Rechtwinkligkeit und Planheit bei Hobeln

Ein Handhobel sollte, um damit präzise arbeiten zu können eine plane, d. h. gerade Sohle aufweisen. Außerdem sollte diese Sohle bei Hobeln, die auch zum Fügen benutzt werden im rechten Winkel zu den Seitenwangen des Hobelkörpers sein. "Fügen" bezeichnet beim Hobeln das Bearbeiten von Brettkanten, um einen rechten Winkel zur Brettseite herzustellen. Dieser Arbeitsgang ist für ein saubere Verleimung unumgänglich.

Bei von uns verkauften Hobeln passiert es öfters, dass sowohl Planheit der Sohle als auch die Rechtwinkligkeit zu den Hobelwangen als unzulänglich beanstandet werden. Eine Überprüfung durch uns führt in den meisten Fällen zu dem Ergebnis, dass der Hobel in Ordnung ist. Wie kommen diese Diskrepanzen zustande?

1. Es besteht die Vorstellung dass der Winkel oder die Sohle absolut genau sein sein muss. Das ist nur theoretisch möglich: je nach Feinheit des Messgeräts findet man immer eine Abweichung. Entscheidend ist, dass die Abweichung im praktischen Gebrauch vernachlässigbar sein muss. Dazu helfen angegebene Toleranzen, die in der Fertigung eingehalten werden müssen.

2. Die Genauigkeitsanforderungen für die Metallbearbeitung werden kritiklos auf die Holzbearbeitung übertragen. Holz ist ein organischer Stoff, der bereits während der Bearbeitung seine Form verändern kann. Allein schon das Auftrennen eines geraden Bretts kann dazu führen dass Sie danach 2 krumme Hälften haben, weil beim Aufschneiden Spannungen freigesetzt worden sind. Das passiert auch bei Metall aber bei weitem nicht in dem Ausmaß wie bei Holz.

3. Unzulängliche Messmethoden liefern häufig ein falsches Ergebnis oder potenzieren die Ansicht der Abweichung wie zum Beispiel ein Haarlineal. Wir erhalten gelegentlich Fotos mit einem auf die Hobelsohle aufgelegten Haarlineal welches einen deutlichen Lichtspalt zeigt und nahelegt die Abweichung sei erheblich - jedoch ohne präzise Angabe wie breit denn der Lichtspalt ist. Mit dem Haarlineal oder einem Straight Edge sieht man bereits Abweichungen von wenigen tausendstel mm stark fokussiert wie in diesem Bild unten. Das ist nicht praxisgerecht.
hobel rechtwinkligkeit
Bei einer Messung durch uns stellte sich dann heraus, daß die Ungenauigkeit weniger als 1/25 mm war. Hätten Sie das angesichts dieses Bildes gedacht? Unsere Messmethode ist weiter unten erklärt.

4. Eine weitere unzulängliche Messmethode ist die Benutzung eines ungenauen Winkels auf einer viel zu kleinen Fläche, so dass nur der halbe Schenkel auf der Platte aufliegt. Das Bild suggeriert eine Hobelsohle, die im Bezug auf die Seitenwangen weit außerhalb des rechten Winkels ist.
hobel rechtwinkligkeit
Bei einer Überprüfung bei uns (siehe weiter unten) stellte sich heraus, daß an keiner Stelle egal bei welcher Prüfanordnung der 0,04 mm dicke Fühler einer Fühlerlehre zwischen Meßmittel und Bezugkante am Hobel ging. 0,04 mm sind 1/25 mm!

Wie wir die Rechtwinkligkeit der Seite zur Sohle und die Planheit der Sohle prüfen:

hobel rechtwinkligkeit

Wir verwenden dazu:
1. eine kalibrierte Granitplatte von hoher Genauigkeit
2. einen kalibrierten Kontrollwinkel Genauigkeit GG 0
3. eine Fühlerlehre

Diese Anordnung ist diesselbe, wie sie von führenden Hobelherstellern empfohlen und auch so durchgeführt wird. Wichtig ist dabei, daß die Sohle selbst nicht als Referenzfläche dienen kann, sondern nur eine neutrale Unterlage, ein Hilfsbezugselement sozusagen, das allerdings sehr genau sein muß. Ganz besonders muß auf Schmutzfreiheit geachtet werden, weil dies das Ergebnis beeinflussen kann. Dann wird ein kalibrierter Kontrollwinkel (kein Haarwinkel) auf die Granitplatte gestellt und an die Seiten herangeführt. Wenn kein Lichtspalt zu sehen ist, ist die Genauigkeit perfekt. Ist ein Lichtspalt zu sehen, muß am offenen Ende des Lichtspalts mit einer Fühlerlehre gemessen werden. Wenn ein Fühler mit 0.002 inch ( 0.05 mm) nicht dazwischen paßt, ist die Genauigkeit bei Herstellern wie z. B. Veritas innerhalb der Toleranz. Wenn eine höhere Genauigkeit gewünscht wird - für die Holzbearbeitung jedoch alles andere als praxisgerecht - muß diese mit den üblichen Lappingmethoden vom Anwender selbst hergestellt werden. Bei den Juuma-Hobeln darf ein Fühler mit 0.15 mm nicht dazwischen passen.

Um die Planheit der Sohle alleine zu messen, stellt man den Hobel auf die Granitplatte und versucht an verschiedenen Stellen, mit einer Fühlerlehre dazwischen zu kommen. Toleranzen wie oben (Gelten für Veritas, bei billigeren Hobeln muß eine höhere Toleranz akzeptiert werden).

Hier nun die Meßergebnisse für diesen Hobel:

Linke Seite von vorne: der Meßwinkel zeigt keinen Lichtspalt, alles perfekt!

hobel rechtwinkligkeit

Rechte Seite von vorne: der Meßwinkel zeigt keinen Lichtspalt, auch perfekt!

hobel rechtwinkligkeit

Planheit der Sohle: Ein Fühler von 0,04 mm (das ist 1/25 Millimeter) geht an keiner Stelle unter die Hobelsohle.

hobel rechtwinkligkeit

Fazit: der Hobel ist vollkommen in Ordnung.

Wir empfehlen generell die verwendeten Meßmittel genau zu überprüfen und andere Fehlerquellen auch in Betracht zu ziehen. Für die Prüfung mit Ihren Bordmitteln werden Sie wahrscheinlich nicht die gleiche Ausrüstung zur Verfügung haben wie wir. Aber Sie können sich mit einfachen Mitteln dieser Versuchsanordnung annähern. Statt Granitplate tut es oft eine Glasplatte, mindestens einen guten, geprüften Winkel sollten Sie im Haus haben. Eine Fühlerlehre brauchen Sie - aber die ist nicht teuer.

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