Dieter Schmid - Feine Werkzeuge
Stemmeisen

Stemmeisen, Stechbeitel

Einige Hinweise zum Anschliffwinkel von Stemmeisen

In der Regel werden westliche Stemmeisen mit einem Winkel von 25°, japanische mit einem Winkel von 30° ausgeliefert. Lochbeitel können schon beim Kauf einen etwas stumpferen Winkel aufweisen. Meistens ist es ausreichend, den beim Kauf vorgefundenen Winkel beim Schärfen beizubehalten. Bei besonderen Anwendungen empfiehlt es sich jedoch, den Winkel etwas anzupassen.

Weiches Holz: Wenn nur weiches Holz, also z. B. Fichte, Kiefer u. ä. bearbeitet wird, insbesondere beim Nacharbeiten ohne Hammer - nur mit dem Handballen - kann der Winkel geringfügig nach unten korrigiert werden, also bei westlichen Eisen bis 23° und bei japanischen Eisen bis 28°. Feinbearbeitung geht mit diesen Winkeln leichter, beachten Sie jedoch, daß die Schneide sofort erheblich empfindlicher ist. Schlagen mit dem Hammer und jegliches Hebeln (was sowieso unterlassen werden sollte) ist unbedingt zu vermeiden. Vergessen Sie auch nicht den Aufwand, der zur Herstellung eines spitzeren Winkels erforderlich ist: Sie müssen immer die gesamte Fase schleifen. Der spitzere Winkel kommt daher eher nur in Ausnahmefällen in Frage und das Eisen solle dann nur noch für solche Zweicke benutzt werden. Für weiches Holz reicht fast immer der Standardanschliff! Es kann sogar so sein, daß Sie selbst bei weichem Holz einen etwas stumpferen Winkel brauchen, z. B. bei Fichte mit ausgeprägten Ästen, die auf die Schneide die Wirkung von Hartholz entfalten oder wenn das Eisen richtig mit dem Hammer "geprügelt" wird.

Hartes Holz: Beim Bearbeiten von Hartholz wie z. B. Buche und Eiche darf der Winkel etwas vergrößert werden. Das macht die Schneide unempfindlicher und die bei der Hartholzbearbeitung durch die höhere Beanspruchung häufig entstehenden "Mäusezähne" werden vermieden. Ein stumpferer Winkel erlaubt auch mal leichtes Hebeln, was sich insbesondere bei tiefen Zapfenlöchern kaum vermeiden läßt. Im Gegensatz zu einem spitzeren Winkel ist der stumpfe Winkel sehr leicht anzubringen: Sie müssen nicht die gesamte Fase schleifen, es reichen die ersten 1 - 2 mm hinter Schneide. Aber auch hier gilt: Der Weg zurück zum spitzeren Winkel ist nur durch Schleifen der gesamten Fase erreichbar. Bei europäischen Eisen können Sie den 25° Standardwinkel bis auf 30° erhöhen, bei japanischen Eisen den 30° Standardwinkel auf 35°. Experimentieren Sie mit Zwischenschritten! Die optimale Schneidleistung kann auch bei einem Winkel dazwischen liegen!

Einige Hinweise zum Stemmeisenkauf

Ein gutes Stemmeisen kann nur dann gut sein, wenn es seinem Zweck entsprechend verwendet wird. Ein teures Stemmeisen ist fehl am Platze auf einer Baustelle, wo zu bearbeitende Holzteile mit Zementputzspritzern übersät sind oder eine erhöhte Diebstahlgefahr besteht. Auf der anderen Seite sollten feine Arbeiten auch mit dem entsprechend feinen Werkzeug ausgeführt werden.

Wirklich gut arbeiten werden Sie mit einem Stemmeisen nur dann, wenn es scharf ist. Benutzen Sie keine trocken laufenden Schleifmaschinen, der Stahl wird weich und die Standzeit damit kurz. Manche Hersteller werben mit dem Slogan: "Gebrauchsfertig geschärft - auspacken und loslegen!" Hören sie nicht darauf! Vor dem ersten Gebrauch richten Sie die Spiegelseite des Eisens plan ab. Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, es nach dem Schärfen überhaupt richtig abziehen zu können. Danach schärfen Sie die Fase, anschließend ziehen Sie Fase und Spiegelseite ab. Genieren Sie sich nicht, zum Schärfen eine Schleifführung zu verwenden. Nichts ist schwerer als eine Fase freihändig zu schärfen oder gar neu herzurichten.

Kennen Sie diese Geschichte auch? da wird irgendwo auf dem Dachboden ein uralter Stechbeitel entdeckt. Den könnte man ja wieder benutzen und richtet ihn her und siehe da, er läßt sich wunderbar schärfen und hält den Schnitt sehr lange. Schnell ist er zum am häufigsten benutzen Eisen avanciert. Was ist geschehen? Es war kein Wunder, sondern ein Eisen aus Kohlenstoffstahl, das seine Vorteile zeigte: gute Schärfbarkeit und Härte. Im vorigen Jahrhundert wurden fast alle Schneidwerkzeuge aus reinem Kohlenstoffstahl hergestellt. Als Kohlenstoffstahl bezeichnet man einen Stahl ohne Legierungszusatz. Der Kohlenstoffanteil kann bis zu 1,7 % betragen. Der Nachteil des Kohlenstoffstahls ist seine Wärmeempfindlichkeit und Sprödigkeit. Außerdem ist er nicht rostfrei.

Um die genannten Nachteile zu beseitigen, benutzen viele Hersteller legierte Stähle. Z. B. wird durch Zugabe von Chrom und Nickel der Stahl rostfrei, durch Wolfram und Molybdän hitzeresistent, durch Titan zäh. Die Stahlhersteller kombinieren die Zusätze, um die Eigenschaften des Produkts zu optimieren.

Diese Verbesserungen werden aber auch mit Nachteilen erkauft, sie verschlechtern die Schärfbarkeit, Schleifsteine schmieren zu und oft wird die Standzeit beeinträchtigt. was z. B. für einen Schraubendreher gut ist (Zähigkeit und Härte), kann für ein Schneidwerkzeug von Nachteil sein.

Die Nachteile des Kohlenstoffstahls werden bei von Hand geführten Schneidwerkzeugen durch seine vielen Vorteile mehr als aufgewogen, weshalb wir bei Stemmeisen Werkzeugstählen mit hohem Kohlenstoffanteil den Vorzug geben.

Traditionelle Japanische Stemmeisen werden aus reinem Kohlenstoffstahl hergestellt. Die Stemmeisen von Kirschen sind legiert, aber durch die spezielle Zusammensetzung des Stahles noch gut schärfbar. Entscheiden Sie selbst!

Sie sind hier:   Startseite   →   Stemmeisen